
Das Brettschichtholz ist neben dem Bauholz das im Moment noch am weitesten verbreitete und auch bekannteste Konstruktionsholz. Landläufig mit ‚Leimbinder’ bezeichnet hat es sich vor allem im Bereich der Pfetten, also der größeren Querschnitte und im Bereich der Sichtkonstruktion, respektive Spezialkonstruktionen wie Wintergärten z.B., einen festen Platz gesichert. Durch seine genau definierten Eigenschaften, die absolute Rissfreiheit und weitgehende Dimensionsstabilität wird es gerne dort verwendet, wo es auf höchste Tragfähigkeit in Verbindung mit anspruchsvoller Optik ankommt, aber auch im rein konstruktiven Holzbau ist es nicht mehr wegzudenken. Durch seine konstruktiven Eigenschaften lassen sich fast beliebige Trägerformen realisieren, die in Ihrer Optik äußersten Ansprüchen genügen. Eine schöne Beschreibung des BSH gibt die Arbeitsgemeinschaft Holz e.V.:
„Technisch getrocknete,
visuell oder maschinell sortierte Bretter werden durch Keilzinkung zu beliebig
langen Lamellen verbunden. Diese Lamellen werden gehobelt, an- schließend
beleimt und aufeinander geschichtet. Der
so entstandene BS-Holz-Querschnitt
härtet
dann unter Druck aus. Die Lamellen sind leicht formbar. Dadurch ist es möglich,
sowohl gerade als auch gekrümmte Bauteile herzustellen. Durch das Verleimen
mehrerer BS-Holz-Querschnitte oder auch von BS-Holz mit
Holzwerkstoffen zu Verbundquerschnitten, sind Sonderbauteile in vielen
unterschiedlichen Formen wie T-Träger oder Hohlkastenträger herstellbar. Diese
Verbundquerschnitte müssen jedoch in der Ausschreibung eindeutig, ggf. mit
Querschnittskizzen, beschrieben werden. Trägerhöhen bis 200 cm und
Querschnittsbreiten bis 22 cm können von allen BS- Holz-Herstellern problemlos
in einem Arbeitsgang produziert werden. (Einige Hersteller können bis 300 cm
Höhe und 30 cm Breite herstellen.) Größere Abmessungen sind möglich. Der Aufwand
steigt jedoch erheblich, da der Querschnitt dann in mehreren Arbeitsschritten
hergestellt werden muss. Empfohlen werden Träger mit einem Verhältnis der Höhe
zur Breite bis zu 10 : 1 . Bis zu dieser Grenze gelten auch die üblicherweise
benutzten Bemessungsgleichungen der DIN 1052 - 1 . Die zulässige Lamellendicke
ist von der klimatischen Beanspruchung des Bauteils und vom Krümmungsradius
abhängig. Beides muss daher bei der Ausschreibung angegeben werden. Nach DIN
1052-1/ A1 können gerade Bauteile ohne extreme klimatische Beanspruchung mit
Lamellendicken bis 42 mm gefertigt werden. Eine extreme klimatische
Wechselbeanspruchung liegt bei direkter Bewitterung durch Niederschläge oder
Sonneneinstrahlung (Oberlichter!) vor sowie bei hoher klimatischer Beanspruchung
durch die Nutzung z.B. in Bäckereien, Ziegeleien oder Rottehallen. Bei geraden
Bauteilen mit extremer klimatischer Wechselbeanspruchung ist die Lamellendicke
auf 33 mm begrenzt. Bei gekrümmten Bauteilen beträgt die maximale Lamellendicke
immer 33 mm. Bei Krümmungsradien unter 6,60 m (bezieht sich auf die
Lamellenachse) muss die Dicke der Lamellen gemäß DIN 1052-1, 12.6 weiter
reduziert werden. Dies führt zu einem Anstieg der Herstellungskosten.
BS-Holz wird standardmäßig aus Fichtenholz hergestellt. Auf Anfrage sind
weitere, in DIN 1052-1/A1 Tabelle 1 genannte, Holzarten wie Kiefer, Tanne,
Lärche, Douglasie, Southern Pine, Western Hemlock, Yellow Cedar möglich. BS-Holz
aus diesen Holzarten hat i.d.R. längere Lieferzeiten und muss deshalb
rechtzeitig angefragt und bestellt werden.
Es dürfen nur bauaufsichtlich zugelassene Leime/Kleber verwendet werden. Mit
diesen zugelassenen Leimen ist BS-Holz sehr resistent gegen chemische Einflüsse.
In DIN 1052-1/A 1 sind vier BS-Holz-Festigkeitsklassen geregelt: Die
Festigkeitsklassen BS 11 und BS 14 entsprechen den früheren Güteklassen II und
I. Die Festigkeits- klassen BS 16 und BS 18 können nur mit Hilfe einer
maschinellen Sortierung der Lamellen produziert werden. Für die Herstellung der
Festigkeitsklassen BS 14, BS 16 und BS 18 muss der Hersteller zusätzlich zur
Leimgenehmigung ein Zertifikat besitzen ("Ü-Zeichen"). Die Verwendung von BS 18
führt vor allem bei weitgespannten und hochbelasteten BS- Holzbauteilen zu
wirtschaftlichen Lösungen. Sie sollte sich auf diese Anwendungsfälle
beschränken, da die für die Herstellung erforderlichen hochfesten Lamellen nur
in beschränktem Umfang zur Verfügung stehen.
BS-Holz-Bauteile können mit verschiedenen Oberflächenqualitäten hergestellt
werden. Die gewünschte Beschaffenheit ist jeweils vertraglich zu vereinbaren, d.
h. in der Leistungsbeschreibung zu spezifizieren.“
Dachkonstruktion
aus gekrümmten (Bogen-) Bindern
Text und Bilder © bei Arbeitsgemeinschaft Holz e.V.