Der moderne Holzbau unterscheidet sich in vielfältiger Weise vom traditionellen Holzbau:

§         Durch die Berechnung der gesamten Konstruktion aufgrund zur Verfügung stehender Nachweisverfahre

§         Durch die Auswahl des durch Holzveredelungstechniken zur Verfügung stehenden Konstruktionsmateriales

§         Durch die Art der Holzverbindungen

§         Durch zur Verfügung stehende Montagetechniken und –hilfen

Die Konstruktion und Dimensionierung der Holzkonstruktionen in geschichtlicher Zeit erfolgte aufgrund von durch Generationen in Familien von Baumeistern oder Zimmerern hindurch weitergegebenen, durch Versuch und Irrtum entstandenen Grundprinzipien, die durch Beobachtung und Erfahrung bestätigt oder verworfen wurden.
In moderner Zeit stehen dem Konstrukteur aufgrund intensiver Untersuchungen und Experimente unter Laborbedingungen Kennwerte der unterschiedlichsten Materialien zur Verfügung wie zulässige Spannungen (=Belastungen) auf Biegung, Zug und Druck, Abscheren, Schub und Torsion, Elastizitätsmoduln, Schwind und Quellmaße bei Temperatur und Feuchtigkeitsveränderungen.
Aufgrund dieser Kennwerte und damit verbundener Berechnungsformeln kann die Dimensionierung eines Trägers genau nach den tatsächlichen Erfordernissen wie maximal zulässige Durchbiegung, Schwingungsvehalten, konstruktive Erfordernisse und optische Belange abgestimmt werden.

Durch Holzveredelung stehen dem Planer heute eine Vielzahl von Materialien zur Verfügung, die abgestimmt auf ihre speziellen Eigenschaften für die verschiedensten Einsatzzwecke verwendet werden können. Angefangen von der Sortierung des Ausgangsstoffes Bauholz in definierte Güteklassen, die auch Aufschluss über die Tragfähigkeit geben, über die Normierung des Bauholzes durch Trocknung und Verleimung als Konstruktionsvollholz, Lamellenbalken oder Brettschichtholz hin zu stark bearbeiteten, so genannten Holzwerkstoffen. Diese umfassen auch die gesamte Palette der Plattenwerkstoffe wie die Flachpressplatte (Spanplatte), das Sperrholz, die Faserplatten, OSB-Platten, Furnierschichtholz und vieler anderer Holzwerkstoffe, die aufgrund ihrer flächigen Ausbildung vor allem für die Aussteifung und Verschalung von Konstruktionen herangezogen werden, in Wechselwirkung mit den stabförmigen Konstruktionsteilen, die eher dem klassischen Holzbaubild entsprechen.

Das ‚Nadelöhr’ der Tragfähigkeit einer Konstruktion sind oft die Holzverbindungen untereinander. Die Tragfähigkeit des einzelnen Gliedes ist völlig ausreichend, kann jedoch aufgrund der für den Anschluss zur Verfügung stehenden Fläche nicht auf das benachbarte Bauteil übertragen werden. Im traditionellen Holzbau half man sich, indem man entweder eine höher belastbare Holzart (etwa Eiche anstatt Fichte) wählte, das Bauteil entsprechend der Erfahrungen überdurchschnittlich größer dimensionierte oder auf seltene, weil teure, in Handarbeit hergestellte Verbindungsmittel aus Metall zurückgriff.
Heute, wo Wirtschaftlichkeit, Materialersparnis und industrielle Techniken im Vordergrund stehen hat man Lösungen für dieses Problem entwickelt, die man unter dem Oberbegriff ‚Ingenieur-Holzbau’ zusammenfassen kann. Durch die exakte Berechnung der nötigen Anschlusskräfte und zu übertragenden Lasten wurden industriell herzustellende Formteile entwickelt, die in der Regel aus verzinktem Metall bestehen, das aufgrund seiner auch in geringen Dimensionen hohen Belastbarkeit sich ideal mit den guten bauphysikalischen und optischen bzw. haptischen Eigenschaften des Bauholzes verbindet.
Wo die konfektionierten Verbindungsmittel nicht ausreichen, wird für den speziellen Fall eine Berechnung angestellt und aus genormten Profilen und Blechen eine Schweißkonstruktion hergestellt, die allen Bedürfnissen gerecht wird.  
So hat der Einsatz von Stahl* sowohl dem Holzbau (als auch dem Betonbau, der schon von den Römern her bekannt war, aber erst durch die Zugabe von Stahl seine hohe Belastbarkeit erreicht) den Zugang zu Konstruktionen ermöglicht, die in historischen Zeiten nicht auszudenken gewesen wären.
Das oft negative Image des ‚Blechverbinders’ der oft mit einer Unfähigkeit, die historischen Verbindungen auszuführen in Verbindung gebracht wird, ist somit unbegründet. Bauphysikalisch führen Holz-Stahl-Verbindungen allerdings zu unerwünschten Nebenerscheinungen wie dem Anfall von Kondensat an kalten Metallteilen, der zu Korrosion und Holzschädigung führen kann. Es liegt deswegen in der Verantwortung des Konstrukteurs und auch Anwenders auf diese speziellen Belange Rücksicht zu nehmen und entsprechende Vorkehrungen zu treffen, die eine solche Gefährdung ausschließen.

Nicht zuletzt durch moderne Montagetechniken und –hilfen ist der zeitgemäße Holzbau in der Lage auf dem Baustoffsektor mit anderen konkurrierenden Branchen mitzuhalten bzw. sogar eine Vorreiterrolle einzunehmen, was Just-in-time – Produktion und schnelle Montage anbelangt. EDV-unterstützte Konstruktion und  Abbund, mechanische Montagehilfen wie Nagelbrücken, Rahmenbautische, Kranbahnen, Transport mit modernen LKW’s oder auch einmal mit dem Hubschrauber, Mobilkrane, die die Höhe des Kölner Doms erreichen, ein großes Sortiment an Montagemitteln wie Dübeln, Schrauben und Holzverbindern, speziell auf die Belange des Holzbaus ausgerichtet ermöglichen eine schnelle und reibungslose, damit auch wirtschaftliche Errichtung von für alle Zwecke geeigneten Gebäude.

Vom Reihenhaus bis zur Messehalle können so Objekte mit allen bekannten Vorzügen des natürlichen und nachwachsenden Baustoffes Holz entstehen, der aus der Konstruktion und Architektur aller Zeiten, ganz wie beim traditionellen Holzbau, aufgrund seiner hervorragenden Eigenschaften nicht wegzudenken ist.

*(Das beste Beispiel für den Einzug des Industriezeitalters in den Holzbau aber ist der Drahtstift, im Volksmund ‚Nagel’ genannt, der mit zunehmender Verfügbarkeit endlos gezogener und mit entsprechenden Pressen hergestellten Verbindungsmittel, im Gegensatz zum schon früher existierenden, handgeschmiedeten Nagels ein günstiges, aber trotzdem haltbares und dauerhaftes Verbindungsmittel darstellte, das so manche traditionelle Holzverbindung durch einfache Handhabung und damit Wirtschaftlichkeit verdrängte.)